Mitmachkultur bei Facebook Live

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Mobile Reporting Mobile Reporting

Mark Zuckerberg ist beseelt von der Zahl Zehn. Er geht mit Facebook chancenreiche Projekte an, die zehnmal mehr Vernetzung ermöglichen. Das Grundprinzip: Durch eine reibungslose und einfache Teilnahme steigen die Netzwerkeffekte der Plattform an und erhöhen die Möglichkeit, gigantische Datenmengen zu erfassen, zu analysieren und auszutauschen. Dazu zählt das von vielen Experten als utopisch eingestufte Ziel, Daten per Laser zu übertragen und über Drohnen zur Erde zu senden.

Die Lichtstrahlen „ermöglichen eine extrem hohe Bandbreite und sind nicht reguliert. Das Team für Laserkommunikation bei Facebook arbeitet an Lasern, die Daten zehnmal schneller übertragen sollen als heutige Versionen“, schreibt Wired. Klingt nach Zukunftsmusik. Nicht so für das Connectivity Lab des Zuckerberg-Konzerns. Bis Ende des Jahres wird ein System getestet, das Funksignale zu einer Drohne überträgt, die sie über Laser an weitere Drohnen weitergibt.

„Die Luftflotte versorgt über Laserstrahlen Transponder, die maximal 50 Kilometer von jeder Drohne entfernt sind und…

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#SocialTV mit Hangout on Air weiterhin möglich – Ergebnisse auf der IBM BusinessConnect #ibmbcde

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Mobiles SocialTV-Studion beim #ibmbcde Mobiles SocialTV-Studion beim #ibmbcde

Nachdem Hangout on Air als Google+-Dienst am 12. September abgeschaltet wurde, war es am Tag danach für mich eine kleine Nervenanspannung, wie man mit den vorgeplanten Live-Hangouts nun zurecht kommt.

Am Vormittag hatte ich dann so rund 30 Minuten Stress bei der Vorbereitung. Dann aber lief es wieder gut.

Wie man damit jetzt umgehen kann, habe ich über Facebook Live erläutert 😉

Hier die Hangout-Variante.

Und hier die SocialTV-Interviews auf der IBM BusinessConnect. Alles gut gelaufen 🙂

Man hört, sieht und streamt sich. Auch in eBook-Form.

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Zulieferer unter Druck: De-Industriealisierung mit „Target Cost Squeeze”.

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Industriemuseum Industriemuseum

Seit den 1960er Jahren geht die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe runter. Seit 1980 sind wir nach den Daten des Statistischen Bundesamtes kein Industrieland mehr. Und aktuell gibt es andere “Maßnahmen” der Industriekonzerne, die zu einer Beschleunigung der De-Industrialisierung in Deutschland beitragen, ganz ohne Industrie 4.0-Geschwätz und Digitalisierung. So richtig in Fahrt kam das Ende der 1980er Jahre, wie der Automotive-Experte Thomas Meichsner, Geschäftsführer Operations bei der Firma Faurecia Interior Systems, im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Boardreport deutlich macht:

“In der ersten Phase der Kostensenkung sind wir mit einer so genannten ‘verlängerten Werkbank in die neuen Bundesländer gegangen. Wenige Zeit später eröffnete ich unsere ersten Low Cost Standorte in Polen, Rumänien und dann in China. In diesen Werken sollte nur produziert werden, die Verwaltung mit der Entwicklung und der Hauptproduktion fand immer noch in Deutschland statt. In der zweiten Phase investierten wir massiv in die Kostenreduzierung durch eine…

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Tweet-Sucht: Im Sog von Dopamin und Oxytocin – Wenn Neuronen ratlos blinken

Nur mal so eine kleine Randbemerkung.

Netzstrategien für die Wirtschaft

Kopfsachen Kopfsachen

Der Sog, den die sozialen Netzwerke ausüben, soll nicht eingebildeter Natur sein.

„Er ist, dank zweier chemischen Stoffe die unser Gehirn produziert, sehr real: Dopamin und Oxytocin“, schreibt Vanessa Dincklage.

Dopamin werde ausgeschüttet, wenn wir uns unvorhergesehenen Situationen gegenüber sehen, durch kleinteilige Informationen und bei jedem noch so kleinen Anflug von Belohnung – also ziemlich genau das, was Social Media ausmacht.

„Studien haben sogar gezeigt, dass es unter dem Einfluss von Dopamin schwieriger ist dem Verfassen eines Tweets zu widerstehen, als Zigaretten oder Alkohol.“

Oxytocin wird in dem Beitrag als „Kuschel-Stoff“ bezeichnet. Er kommt zur Ausschüttung, wenn man sich küsst oder umarmt.

„Oder auch beim Twittern. Innerhalb von 10 Minuten auf dem sozialen Netzwerk kann die ausgeschüttete Menge von Oxytocin um 13 Prozent gesteigert werden – ähnlich hoch ist der hormonelle Anstieg bei Personen an ihrem Hochzeitstag“, soweit die Hobby-Neurologin.

Ob Ursache und Wirkung in irgendeinem Zusammenhang stehen, scheint…

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#NEO15 Liebt Eure Programmierer und Nerds #GrowthHacking – #Nerdland statt #Neuland

Netzstrategien für die Wirtschaft

Zuckerberg

Storymaker, die uns die Bits und Bytes nicht mit dem Charme von Rechenschiebern vermitteln, findet man kaum in Deutschland. Es sind die seltenen Gastauftritte von den Tech-Bombenlegern aus dem Silicon Valley, die uns den Erzählstoff für die Next Economy bieten. Dazu zählt der Periscope-Mitgründer Kayvon Beykpour, dem in Hamburg die mediale Schickeria zu Füßen lag. TV-Journalist und Blogger Richard Gutjahr überlegte gar einen Moment im Livestreaming-Interview mit Beykpour, ob er nicht auf die Seite des Startup-Unternehmens wechseln sollte, da selbst im Journalismus die Impulse nicht mehr von Häusern wie Springer oder Burda kommen, sondern von den Programmierern in Kalifornien. 

Wie man das ändern kann, wollen wir – also die netzökonomischen Käsekuchen-Fans – in aller Offenheit auf der Next Economy Open #NEO15 Anfang November in Bonn diskutieren – gut eine Woche vor dem IT-Gipfel in Berlin, wo sich Männer in dunklen Anzügen mit Kanzlerin Merkel treffen und im Industrie 4.0-Technokraten-Modus über…

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Mensch-Maschine-Kombination: Wie Katzenberger Polit-Talkmasterin werden kann #GSummit15

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Watson kognitive Intelligenz

Der IBM-Rechner “Watson” ist wohl ein ziemlich schlaues Kerlchen. Nicht erst seit seinem legendären Sieg über die Champions des Ratespiels Jeopardy. Er kann noch viel mehr. Watson ist ein Fakten-Checker:

Seine Software der Künstlichen Intelligenz ist bereits bei Behörden, Institutionen und Unternehmen in den USA im Einsatz. Das System unterstützt Onkologen bei der Behandlung von Krebspatienten, führt natürlichsprachliche Verkaufsberatungen bei einer Bekleidungsmarke und leitet aus der permanenten Analyse digitaler Medien ab, welche Themen sich als gesellschaftliches Mem abzeichnen und welche davon auf die Agenda der Wirtschaft gehoben werden sollten. In der Definition von Patrick Breitenbach spricht man von einem Internet-Mem erst dann, wenn sowohl der Variationsgrad als auch die Anzahl der Verbreitung dermaßen zunimmt, dass die Quantität der Verbreitung für die beobachtenden Internetnutzer als Trend wahrgenommen wird. Nachzulesen im Opus „New Media Culture: Mediale Phänomene der Netzkultur“, erschienen im Transcript Verlag.

Selbst die recht bescheidenen Hotline-Angebote würden sich verbessern –…

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Toxisches Management: Neo-Bürokraten in einer Evaluations- und Buchführungs-Diktatur

Licht am Ende des Planungstunnels?

Licht am Ende des Planungstunnels?

Von Professor Rupert Hasenzagl gibt es eine vernichtende Prophezeiung für das Management:

„Wir bedienen uns derzeit eines toxischen Systems und fahren mit 300 Stundenkilometer gegen die Wand.“

Wir könnten uns noch gar nicht vorstellen, wo wir in fünf Jahren stehen würden, weil uns die Dimensionen fehlen. Weil wir uns in einem enormen Umbruch befänden. Weil Unsicherheit und Angst zunähmen. Weil es vielen Managern an der Profession fehlt, um die Komplexität zu erfassen. Stattdessen würden wir die Dosis an Macht und Bürokratie erhöhen. In diesen bürokratischen Organisationen gedeiht eine trügerische Rationalitätsfantasie. Sie verschanzt sich hinter Controlling-Kennzahlen, Erbsenzähler-Monitoring-Systemen, ISO-Normen, Zertifikaten, Testaten und sonstigen Hilfsmitteln der Planungsgläubigkeit.

Der britische Soziologe Michael Power vertritt die These, wir lebten in Audit-Gesellschaften, in denen immer mehr beobachtet und immer weniger gehandelt wird. Sozusagen eine Evaluations- und Buchführungs-Diktatur. Nachzulesen in dem äußerst bemerkenswerten Opus „Leben im Büro“ von Christoph Bartmann – erschienen im Hanser Verlag. Der Autor erkennt im „modernen“ Management von Staat und Wirtschaft eine Tendenz zu einer neureligiösen „Fähigkeitsmystik“. Die Adepten dieser Wunder-Ideologie schwallen in endlosen Monologen von perfekter Prozessoptimierung und Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Ganze Heerscharen von Beratern ernähren sich vom Verkauf von Inspektionen, Audits, Testaten, Analysen, Klassifikationen und Zertifikationen.

Im sogenannten New Public Management gedeiht eine Neo-Bürokratie, die den Bürokratieabbau mit neuer Bürokratie übersät.

„Der flächendeckende Einsatz von NPM lässt eine Audit-Gesellschaft entstehen, in der die Rechenschaftslegung und Evaluation von Tätigkeiten einen solchen Umfang annimmt, dass die Tätigkeiten selbst von dem Zwang zur Berichterstattung und dem Aufwand der Evaluation deformiert und überfrachtet werden und so ihren ursprünglichen Sinn und Zweck verlieren“, schreibt Richard Münch in seinem Buch „Globale Eliten, lokale Autoritäten: Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co.“

Wo das hinführt, dokumentiert „FAZ“-Redakteur Carsten Knop in einer Story über die Kapitulation eines Bankberaters. So werden die Kunden mit einem Protokollwahnsinn überzogen, um vor unsicheren Finanzprodukten geschützt zu werden. Als Ergebnis bleiben frustrierte Angestellte und verwirrte Verbraucher zurück, die tonnenweise Papierstapel entsorgen müssen.

Das Ganze wird von einem Mehltau an Sprachregelungen, Leerformeln, Zielen, Strategien und operativen Handlungsanweisungen überzogen. Wichtigtuerei, gesteuert von einem rhetorischen Autopiloten – programmiert von Consulting-Päpsten, die sich mit Binsenweisheiten über Wasser halten.

Besonders auffällig ist das Regime der Neo-Bürokraten im Online-Marketing. Wer den LEAD-SEO-ONE-TO-ONE-Propaganda-Alchemisten etwas genauer auf die Finger schaut, entdeckt semantische Nebelschwaden und Fata Morgana-Effizienz-Messungen. Es sind seelenlose Technokraten, die uns wie weiße Mäuse im Versuchslabor betrachten und uns mit ihren dümmlichen A/B-Testverfahren dressieren wollen.

Die Heilsversprechen der Marketing-Technokraten

Am Schluss sollen dann „Leads generiert“ werden für Mailingaktionen, um den Auftraggebern und Vorständen irgendeine Conversion-Response-Statistik-Sauce zu präsentieren. Hauptsache die Zahlen klingen optimistisch: Im Bürokraten-Duktus der Software-Anbieter werden umfassende Funktionen wie E-Mail-Marketing, Landing Pages und Formulare, Kampagnen-Management, Lead-Pflege und Lead-Bewertung, Management der Lead-Lebensdauer, CRM-Integration, Social-Marketing-Funktionen sowie Marketing-Analytics als Heilsversprechen an Unternehmen verkauft, die damit effektiv und effizient ihren ROI (hat nichts mit Siegfried zu tun, sondern steht für Return on Investment) berechnen, Umsätze steigern und Gewinne in die Höhe treiben. Alles klar?

Das „individuelle“ Gespräch mit Kunden übernehmen lernende Algorithmen, die das Zielsubjekt automatisiert bewerten und mit Kampagnen bespielen, weil ja alles so schön im System vorhersagbar sei. Entsprechend ändert sich die Marketingdisziplin immer mehr zu einem technischen Beruf, „der den souveränen Umgang mit technologischen Lösungen erfordert“, heißt es in einer Hochglanzbroschüre.

Steuerungslehre statt gute Gespräche

Die Kunst des guten und offenen Gesprächs, die man im Internet ohne Barrieren führen kann, wird durch eine Rückkehr zur alten Denke der kybernetischen Steuerungslehre von Sender-Empfänger-Modellen ersetzt.

Aber was passiert auf der Kundenseite, die die Sozialingenieure über Maschinen dirigieren wollen? Werden wir als Empfänger dieser technokratischen Botschaften und hoch manipulativen Selektionsverfahren, die Facebook und Co. an uns ausprobieren, zu willenlosen Opfern von Nasenring-Systemen? So blöd sind die Nutzer vielleicht gar nicht, um die Psychotricks der Online-Werber und Marketing-Maschinisten zu durchschauen. Es reicht eine negative Erfahrung und die Lernkurve geht steil nach oben. Irgendwann kommt hinter jeder Kampagne, hinter jeder dümmlichen Lead-Generierung via A/B-Testverfahren die Stunde der Wahrheit, wo man als Konsument die Dienstleistung oder das Produkt beurteilen sowie die technokratischen Kampagnen, Algorithmen und Verfahren zur Suchmaschinen-Optimierung als heiße Luft entlarven kann.

Spätestens dann erkennt man die verstümmelten Arme der Datenkraken, die uns im Netz bis zum virtuellen Exitus verfolgen. Heute versandet die Penetranz der Stalking-Systeme schneller als zu Zeiten der heiligen Inquisition, wo Ungläubige, die nicht parierten, gefoltert, gevierteilt oder verbrannt wurden.

Wenn Experten störrische Esel besteigen – Narrenspiele gegen Denkkonventionen

Ideen im Chaos

Ideen im Chaos

Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend war für die Wissenschaftszunft eine Zumutung. Nichts war ihm heilig, jede Denk-Konvention lehnte er ab, jede rituelle Vorstellung im Namen der Vernunft war für Feyerabend ein Instrument, um Menschen niederzuhalten.

Sein Rat: Selber forschen. Seine Methode:

“Ich habe in meinen Vorlesungen gelesen, was mir Spaß gemacht hat und was ich lernen wollte. Das Beste, um etwas zu lernen, ist eine Vorlesung darüber zu halten.”

Bildungsbürgerlichen Hochmut begegnete Feyerabend mit der Methodik des Dadaisten.

„Sein liebster Zeitvertreib ist es, Rationalisten in Verwirrung zu stürzen, indem er zwingende Gründe für unvernünftige Theorien erfindet und diese Theorien dann zum Triumph führt“, erläutert er in seinem Buch „Wider den Methodenzwang“.

Das einzige, wogegen sich der Dadaist eindeutig und bedingungslos wendet, sind allgemeine Grundsätze, allgemeine Gesetze, allgemeine Ideen wie „die Wahrheit“, „die Vernunft“, „die Gerechtigkeit“, „die Liebe“ und das von ihnen hervorgerufene Verhalten, wenn er auch nicht bestreitet, dass es oft taktisch richtig ist, so zu handeln, als gäbe es derartige Gesetze und als glaube er an sie. Der Dadaist vereint Vernunft und Unvernunft, Sinn und Unsinn, Plan und Zufall – sie gehören als notwendige Teile eines Ganzen zusammen. Denn letztlich ist alles ein Produkt unserer schöpferischen Einbildungskraft und nicht das Ergebnis eines Universums von Tatsachen.

Die Dogmatik der selbsternannten Experten könne dazu verführen, dass sie anstelle von Pferden, störrische Esel besteigen und somit auf wirre Wege geraten. Wie ist es möglich, dass die Unwissenden oder schlecht Informierten mehr zuwegebringen als diejenigen, die einen Gegenstand in- und auswendig kennen, fragt sich Feyerabend.

„Eine Antwort hängt mit der Natur des Wissens selbst zusammen. Jede Einzelinformation enthält wertvolle Elemente Seite an Seite mit Ideen, die die Entdeckung von Neuem verhindern.“

Die Dadaisten adoptierten den Zufall, die Stimme des Unbewussten im Protest gegen die rationale Gradlinigkeit des Denkens. „Uns erschien der Zufall als eine magische Prozedur, mit der man sich über die Barriere der Kausalität, der bewussten Willensäußerung hinwegsetzen konnte, mit der das innere Ohr und Auge geschärft wurden, bis neue Gedanken- und Erlebnisreihen auftauchten“, erläutert der Maler Hans Richter die Motivation der dadaistischen Bewegung.

Es ist ein Narrenspiel aus dem Nichts und eine Hinrichtung der posierten Moralität.

Jargon der Experten - ziemlich dämlich.

Jargon der Experten – ziemlich dämlich.

Und wer sich als Sprachwächter über leichte Sprache aufregt, sollte erstmal seinen eigenen sprachlichen Dadaismus überprüfen:

„Hauptsache wird leben alle gut zusammen und der GBA sorgt dafür, daß es so bleibt.“

Siehe auch:

Leichte Sprache oder Juristendeutsch?

Über teutonische Apparatschick-Treffen wie dem Altherren-Stelldichein namens IT-Gipfel #KölnerBarcampKontroverse

Netzstrategien für die Wirtschaft

Proteste

Der Ursprung für viele regionale Initiativen wie die Kölner Internetwoche oder das IHK-Format „Digital Cologne“ sei durch ein Barcamp im Jahre 2009 im Rathaus der Domstadt entstanden. Das brachte beim Käsekuchen-Diskurs Start-up-Unternehmer Marcus Jacobs zum Ausdruck. In diesen Veranstaltungen opfern viele Enthusiasten ihre Freizeit und entwickeln Netzideen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die von den etablierten Kräften in der Vergangenheit belächelt wurden und jetzt adaptiert werden.

Dann sollte man vor diesen Leistungen mehr Respekt zeigen! In den USA sind es auch nerdige Idealisten, die digitale Ideen hervorbringen. Sie werden allerdings von der Krawattenfraktion nicht überfahren, sondern als Ikonen der Netzökonomie verehrt und gefeiert.

IT-Gipfel-Unverbindlichkeiten statt Austin-Geist

Schräge und wilde Veranstaltungsformate wie die SXSW in Austin haben schon viele neue Netzplattformen, Apps und Geschäftsmodelle aus der Taufe gehoben. Auch das ist ein großer kultureller Unterschied zu teutonischen Apparatschick-Treffen wie dem Altherren-Stelldichein namens IT-Gipfel. Die Spitzenfunktionäre von Bitkom und Co. ergötzen sich…

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„Ich spreche zu einem zukünftigen Publikum in die Zeit hinein“: Thomas Mann und die Botschaften für Abwesende #arbeiten40 @ruhrnalist

Der visionäre Medientheoretiker Thomas Mann

Der visionäre Medientheoretiker Thomas Mann

Als audiovisuellen “Urknall unserer Literatur” betitelte die FAZ einen einmaligen Fund unter der Signatur “Archivgut 20520″, das im Bundesarchiv ausgegraben wurde. Es ist der erste und einzige Tonfilm eines deutschen Dichters vor 1933. Und der Großdichter kann kein Anderer sein als Thomas Mann.

“Am 22. Januar 1929, einem Dienstag, kommt er zum ersten Mal in ein Tonfilmstudio, das seinerseits zu den allerersten in Deutschland zählt. Am Vorabend hatte er in der Preußischen Akademie der Künste bei der Feier zum zweihundertsten Geburtstag des Erzaufklärers Gotthold Ephraim Lessing die Festrede gehalten. Nun sitzt er im dunklen Anzug mit Weste, im weißen Hemd, mit einfarbiger Krawatte und einem blütenweißen Einstecktuch im Revers auf einem Stuhl, dessen hintere Holme über seiner Schulter wie zwei kleine Türme aufragen. Die Kamera läuft bereits. Mit einem unsichtbaren Gegenüber spricht der Studiogast noch einige nicht zu verstehende Worte, dann wird zum bewegten Bild der Ton geschaltet: Dreieinhalb Minuten lang zelebriert Thomas Mann von jetzt an ‘Worte zum Gedächtnis Lessings’”, schreibt die FAZ zu diesem in meinen Augen sensationellen Dokument der Filmgeschichte.

Es war noch die große Zeit des Stummfilms, die sich in Ende der zwanziger Jahre und im Laufe der dreißiger Jahre so langsam dem Ende zuneigte. Etwa die Werke von Buster Keaton: Der General (1926) und Steamboat Bill junior (1928). Oder von Charles Chaplin: Lichter der Großstadt (1931), Moderne Zeiten (1936).

Zeugnisse einer öffentlichen Wirkung von Thomas Manns feierlichen “Beitrittsakt zur multimedialen Moderne” gibt es übrigens nicht. Wahrscheinlich war das Ganze nur ein Experiment. Möglichkeiten der Verbreitung gab es noch nicht. Umso erstaunlicher ist die Weitsicht des Schriftstellers über die Wirkung audiovisueller Aufzeichnungen:

“Da ich hier sprechen soll, ist es begreiflich, dass ich mir Gedanken mache über die Eigentümlichkeit und den Reiz einer Situation, in die ich ganz überraschend gekommen bin – und zwar durch die gütige Vermittlung der Berliner Lessing-Hochschule, die ich denn doch dankend erwähnen möchte”, sagt Thomas Mann in der ersten Szene.

Und dann folgt eine Passage, die sich mit der Wirkung des Radios beschäftigt. Es war vielleicht einige Monate nach dem Kriege, als er für den Rundfunk einen Vortrag hielt:

“Das Gefühl, das ich damals hatte, wiederholt sich heute in verstärktem Maße. Ich erlebte es damals zum ersten Mal, dass das Publikum, zu dem ich sprach, nicht in sinnlicher und gesellschaftlicher Gegenwart sich vor mir befand, nicht durch die vier Wände eines Saales zusammengefasst, sondern dass es unsichtbar, unhörbar, weit über die ganze Welt hin zerstreut, meinen Worten zuhörte, die mir beim Sprechen von Zeit zu Zeit einfielen. Heute nun aber ist dieses Publikum, zu dem ich spreche, nicht nur räumlich von mir getrennt, sondern es ist in der Zeit von mir entrückt. Und ich spreche zu einem zukünftigen Publikum in die Zeit hinein. Das ist das Phantastische und Exzentrische, fast möchte ich sagen, das ich in dieser Situation empfinde.

Es geht um die Anwesenheit der Abwesenden oder um die Kommunikation für Abwesende, wie es Hannes Schleeh und ich im Buch „Livestreaming mit Hangout on Air“ beschrieben haben: Bis in die dreißiger Jahre wurde im Radio ausschließlich live gesendet. Aufzeichnungsmöglichkeiten bot damals allein die Schallplatte, die allerdings nur bei Großereignissen zum Einsatz kam – etwa bei Big Band-Konzerten oder Lesungen von berühmten Autoren.

Im Filmstudio gesellte sich zur räumlichen Radio-Erfahrung von Thomas Mann sofort die Erkenntnis von der Verewigung.

“Das ist die Schlüsselsentenz dieses ersten Tonfilm-Moments eines deutschen Dichters. Dass Thomas Mann diese Reflexion simultan mit einem Geschehen entwickelt, das er als Akteur gerade in Gang setzt, dessen Kamera- und Aufzeichnungsobjekt er aber gleichzeitig ist, spricht für seine stupende und spontane intellektuelle Präsenz”, so die FAZ.

Thomas Mann war sich der epochalen Bedeutung des neuen Mediums bewusst. In der zweiten Version seiner kurzen Rede, die in der DVD-Edition von Heinrich Breloer’s Doku-Drama “Die Manns. Ein Jahrhundertroman” veröffentlicht wurde, formuliert er die Schlüsselsentenz präziser und hellseherisch:

“Die heutige Lage nun überbietet in gewisser Hinsicht die damalige, da es sich heute nicht nur um ein im Raume fernes Publikum handelt, zu dem ich spreche, sondern sogar um eines in der Zeit von mir entferntes. Ein Publikum, das eines Tages, der noch nicht da ist, mich so sehen wird, wie ich jetzt sitze und spreche, und mich so hören wird, wie ich mich heute in die Zukunft hinein zu ihm äußere.”

Im Buchkapitel “Social TV und die Kultur der Beteiligung” unseres Livestreaming-Buches nennen wir das Flaschenpost an die Zukunft: Die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Oder wie es Hannes Schleeh in einigen Bloggercamp.tv-Sendungen formulierte:

“Ich begrüße alle Zuschauer im Hier und Jetzt und ganz besonders jene, die uns in der Zukunft sehen werden!”

Für uns ist diese Erkenntnis eine Selbstverständlichkeit. Aber wie großartig war die blitzschnelle Analytik von Thomas Mann vor 85 Jahren. Ich verneige mich vor diesem Giganten des Literaturbetriebs. Heute würden wir von der Anschlussfähigkeit der Kommunikation sprechen. Und die wird immer noch nicht so richtig gelebt. Beim Berliner Barcamp Arbeiten 4.0 der Bertelsmann-Stiftung gab es sehr viele spannende Session-Angebote, die sich für Botschaften an die Zukunft geeignet hätten. Aufzeichnungen oder Livestreaming-Aktivitäten gab es nicht oder fast nicht.

Beim Session-Angebot von Winfried Felser und mir war die Liveübertragung via Hangout on Air integraler Bestandteil der Diskussionsrunde, um die Interaktion mit dem Netz während der Session zu gewährleisten und unsere Debatte für ein zukünftiges Publikum zu bewahren.

Dabei ist übrigens die Zahl der Live-Zuschauer irrelevant, wo wir doch immer mehr über On-Demand-TV sprechen, was sogar das „Konzept Fernsehsender“ überflüssig macht.

Keynote und Abschlusspanel wurden von mir dann noch gestreamt mit den Diensten Bambuser und Meerkat.

Das sind die einzigen Konserven, die man vom Barcamp abrufen kann.

Beim Livestreaming-Workshop am Sonntag in Herne werden wir – also Kai Rüsberg und ich – ausführlich auf den vielfältigen Nutzen von Livestreaming-Diensten eingehen. Man hört, sieht und streamt sich spätestens am 7. Juni. Da kann man fünf Exemplare des Livestreaming-Buches gewinnen 🙂

Es gibt noch ein paar Karten.