Wenn Experten störrische Esel besteigen – Narrenspiele gegen Denkkonventionen

Ideen im Chaos

Ideen im Chaos

Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend war für die Wissenschaftszunft eine Zumutung. Nichts war ihm heilig, jede Denk-Konvention lehnte er ab, jede rituelle Vorstellung im Namen der Vernunft war für Feyerabend ein Instrument, um Menschen niederzuhalten.

Sein Rat: Selber forschen. Seine Methode:

“Ich habe in meinen Vorlesungen gelesen, was mir Spaß gemacht hat und was ich lernen wollte. Das Beste, um etwas zu lernen, ist eine Vorlesung darüber zu halten.”

Bildungsbürgerlichen Hochmut begegnete Feyerabend mit der Methodik des Dadaisten.

„Sein liebster Zeitvertreib ist es, Rationalisten in Verwirrung zu stürzen, indem er zwingende Gründe für unvernünftige Theorien erfindet und diese Theorien dann zum Triumph führt“, erläutert er in seinem Buch „Wider den Methodenzwang“.

Das einzige, wogegen sich der Dadaist eindeutig und bedingungslos wendet, sind allgemeine Grundsätze, allgemeine Gesetze, allgemeine Ideen wie „die Wahrheit“, „die Vernunft“, „die Gerechtigkeit“, „die Liebe“ und das von ihnen hervorgerufene Verhalten, wenn er auch nicht bestreitet, dass es oft taktisch richtig ist, so zu handeln, als gäbe es derartige Gesetze und als glaube er an sie. Der Dadaist vereint Vernunft und Unvernunft, Sinn und Unsinn, Plan und Zufall – sie gehören als notwendige Teile eines Ganzen zusammen. Denn letztlich ist alles ein Produkt unserer schöpferischen Einbildungskraft und nicht das Ergebnis eines Universums von Tatsachen.

Die Dogmatik der selbsternannten Experten könne dazu verführen, dass sie anstelle von Pferden, störrische Esel besteigen und somit auf wirre Wege geraten. Wie ist es möglich, dass die Unwissenden oder schlecht Informierten mehr zuwegebringen als diejenigen, die einen Gegenstand in- und auswendig kennen, fragt sich Feyerabend.

„Eine Antwort hängt mit der Natur des Wissens selbst zusammen. Jede Einzelinformation enthält wertvolle Elemente Seite an Seite mit Ideen, die die Entdeckung von Neuem verhindern.“

Die Dadaisten adoptierten den Zufall, die Stimme des Unbewussten im Protest gegen die rationale Gradlinigkeit des Denkens. „Uns erschien der Zufall als eine magische Prozedur, mit der man sich über die Barriere der Kausalität, der bewussten Willensäußerung hinwegsetzen konnte, mit der das innere Ohr und Auge geschärft wurden, bis neue Gedanken- und Erlebnisreihen auftauchten“, erläutert der Maler Hans Richter die Motivation der dadaistischen Bewegung.

Es ist ein Narrenspiel aus dem Nichts und eine Hinrichtung der posierten Moralität.

Jargon der Experten - ziemlich dämlich.

Jargon der Experten – ziemlich dämlich.

Und wer sich als Sprachwächter über leichte Sprache aufregt, sollte erstmal seinen eigenen sprachlichen Dadaismus überprüfen:

„Hauptsache wird leben alle gut zusammen und der GBA sorgt dafür, daß es so bleibt.“

Siehe auch:

Leichte Sprache oder Juristendeutsch?

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