Über paradoxe Interventionen gegen die Totalüberwachung #NSADADA

Merkel und NSA

Wie viele Vollpfosten, Dummschwätzer, unterbelichtete Politologen, wichtigtuerische Spione und paranoide Aktenknechte sitzen wohl in den Sicherheitsdiensten von BKA, NSA & Co., die sich selbst verwalten, krampfhaft nach äußeren Feinden fahnden und innere Feinde im Kollegenkreis, in der Familie und bei Freunden vermuten? Jeder verdächtigt jeden. Ein ewiger Kreislauf, der sich aus einem grundlosen Misstrauen speist und auf öffentliche Finanzmittel wie ein Schwarzes Loch wirkt.

Wenn es allerdings um strategischen Sachverstand, Intuition, Kombinatorik, politischen Spürsinn und Recherchefähigkeit ankommt, versagt das Schlapphut-Idiotensystem kläglich.In ihrer penetranten Sammelwut können CIA, NSA und sonstige geldverschwenderische Überwachungsbehörden die Bäume vor lauter Wald nicht mehr erkennen. Selbst mit den modernsten und teuersten Analyse-Werkzeugen wie Big Data, Data-Mining, Spracherkennung, Trojanern und sonstigem Spionage-Spielzeug sind sie nicht in der Lage, mit der Datenflut umzugehen. Die von Algorithmen extrahierten Beziehungsmuster sagen nur dann etwas aus, wenn Analysten in den Sicherheitsbehörden die richtigen Schlüsse aus dem Material ziehen – und dann greift halt das Idioten-Syndrom.

“Die NSA behauptet zwar, sie müsse erst einmal einen Heuhaufen haben, um darin eine Stecknadel zu finden. Doch liegt der Verdacht nahe, dass sie angesichts der schieren Masse des gespeicherten Materials oft nur digitale Friedhöfe anlegt”, schlussfolgert die NZZ.

Die Spionage-Gadgets spucken eben nur Daten aus und kein nützliches Wissen – dafür braucht man Geistkapital – das verschweigen die Big Data-Apolegten in Staat und Wirtschaft gerne. Man könnte sonst ihre Daseinsberechtigung anzweifeln.

“Aus Sicht des amerikanischen Steuerzahlers ist dies der eigentliche Skandal: Mit gewaltigen Mitteln wurde eine Bürokratie gemästet, deren Aufwand in zweifelhaftem Verhältnis zum Ertrag steht”, so die NZZ.

Mit testosteron-gesteuerten Gigantismus überfrisst sich die NSA mit Bits und Bytes. Und genau hier liegt die Sollbruchstelle. Im Daten-Moloch verliert man schnell den Überblick und produziert undichte Stellen.

Auch die Nachrichtendienste seien nicht mehr uneingeschränkt Herr ihrer Rechner, meint die NZZ. Edward Snowden habe vermutlich mehr amerikanische Geheimnisse preisgegeben als Aldrich Ames und Robert Hanssen, die sowjetischen Maulwürfe in CIA und FBI. Der nimmersatten NSA-Datenfressmaschine sollte man mit einer dadaistischen Datenexplosion das Maul stopfen.

Man könnte den NSA-Nasen sinnentleerte Botschaften schicken, die NSA-Hotline in eine Warteschleifen-Krise stürzen, NSA-Einrichtungen einer Dauerbeschallung mit dem Technolied von Blümchen aussetzen, NSA-Briefkästen mit PET-Flaschen-Leergut vollstopfen und an die NSA-Zentrale billige Spionage-Kugelschreiber mit Fotos von Dieter Bohlen schicken. Erfreuen wir die NSA-Analysten mit Big Data-Schabernack im Stil der anarchisch-surrealistischen Partei von Jón Gnarr. Mit der Bestu Flokkurinn – die Beste Partei – trat er zur Wahl als Bürgermeister von Reykjavík an und gewann.

“Was immer sich die konkurrierenden Parteien als Wahlversprechen einfallen ließen, er überbot es und gab so die Versprecher der Lächerlichkeit preis, versprach einen Polarbären für den Reykjavíker Zoo, einen Disney-Park und transparente Korruption – und er versprach, alle Wahlversprechen sofort wieder zu brechen”, schreibt mein Wortspiel-Radiokollege Wolfgang Schiffer in einer Besprechung des neuen Gnarr-Buches “Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!!“

Das Motto von Gnarr sollte man ernst nehmen:

“Der wahre Sieger des Spiels ist für mich der, der am meisten Spaß dabei hat…”

Das gilt auch für das Spionage-Spiel. Wir haben mehr Ressourcen, mehr dadaistische Daten und mehr Einfälle, um die Luschen in den Sicherheitsdiensten in den Wahnsinn zu treiben. Ohne Krypto-Partys, ohne Verschlüsselungs-Bocksprünge und Neo-Geheimniskrämerei – wer so agiert, handelt nach den Spielregeln von NSA und Co. Wie man anders vorgehen könnte, diskutiere ich am Freitagnachmittag mit Winfried Felser.

Hashtag zum Mitdiskutieren #NSADADA

Siehe auch:

Spionage? Kein Grund zur Aufregung!

Macht Euch nackt! Ist das Ziel überhaupt realistisch, Hoheit über die eigenen Daten zu bekommen?

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3 Gedanken zu “Über paradoxe Interventionen gegen die Totalüberwachung #NSADADA

  1. Es war mal eine Zeitlang Mode in den Anfängen des Email Verkehrs (meine Anfänge waren spät, Mitte der 90er Jahre) alle Mails mit einem Block von Keywords zu beenden (etwa: Dynamit, RPG-7, Anschlag), um das Abhörsystem des US-Britischen Spionage-Klüngels „Echelon“ zu überlasten. Vielleicht sollte man das wieder einführen. Ich weiß übrigens nicht, warum die es für notwendig halten, nach Stecknadeln zu suchen, wenn sie eh den ganzen Heuhaufen per Drohne auslöschen, sobald sie selbigen als „feindlich“ definiert haben.

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